Die 7 spannendsten Lost Places der Welt

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Lost Places üben seit jeher eine große Faszination auf Geocacher aus. Deutschland ist mit einigen wirklich spektakulären Lost Places gesegnet – aber auch andere Länder haben wirklich fantastische und besondere „Vergessene Orte“ zu bieten. Wir haben in dieser Übersicht unsere sieben Favoriten zusammengestellt.

Natürlich ist diese Aufstellung rein subjektiv und ganz nach unserem persönlichen Geschmack. Wir hoffen sie gefällt Euch dennoch.

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Kolmanskuppe (Kolmanskop auf Afrikaans) ist eine Siedlung im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia. In der weiteren Umgebung fallen viele Dörfer, Städte, Häfen mit deutschen Namen auf. Nicht verwunderlich, denn Deutsch-Südwestafrika war von 1884 – 1915 deutsche Kolonie und ungefähr 1,5 mal so groß wie das damalige Kaiserreich.

Kolmanskuppe entstand dabei 1905 eher zufällig als kleines Camp entlang der Trasse der Lüderitz-Eisenbahn. Erst 1908 kam es zu einem Boom als August Stauch und Zacharias Lewala am nahen Bahnhof Grasplatz Diamanten fanden. Der Boom ließ die Gemeinde auf 400 Einwohner anwachsen und es entstanden viele herrschaftliche Häuser nach deutschem Vorbild.

von: Anagoria unter CC Lizenz

Kurzzeitig galt Kolmanskuppe als reichste Gemeinde ganz Afrikas, es gab hier nichts was man nicht für Geld herschaffen konnte. Die Infrastruktur war hervorragend, so gab es für die überschaubare Einwohnerzahl ein Elektrizitätswerk, ein Krankenhaus (mit der ersten Röntgenstation Afrikas, bzw. auf der ganzen Südhalbkugel), eine Eisfabrik zur Herstellung von Blockeis für die Eisschränke der Bewohner, einen Tante-Emma-Laden, eine Metzgerei, ein Theater, eine Turnhalle sowie Großküche, Kegelbahn und Schule. Es gab sogar ein Salzwasser-Schwimmbad und eine Schmalspurbahn für den Transport von Waren und Personen innerhalb des Ortes.

Doch die Geschichte von Kolmanskuppe war eine kurze. Schnell waren die Diamantenfelder „abgeerntet“ und die Diamantenförderung zog weiter. 1930 wurde die Förderung dann endgültig eingestellt. Bis in die 60er Jahre lebte dann noch ein Einsiedler in der Stadt welche ihrem Schicksal überlassen, schnell von der Wüste eingenommen wurde. Erst als Lüderitz in den 1990er Jahren wieder einen Aufschwung erlebte, bekam auch Kolmanskuppe wieder Aufmerksamkeit. Schließlich wurde ein Museumsbetrieb eingerichtet und einige Gebäude wieder restauriert.

In Kolmanskuppe gibt es nur einen Cache. Der Earthcache Kolmanskop – A Ghost Town (GC1Z46T) befindet sich direkt an der B4 welche von Keetmanshoop bis in die Küstenstadt Lüderitz führt. Im nahen Lüderitz gibt es dann noch 3 weitere Tradis.

Video: Namibia erleben – Geisterstadt im Wüstensand
Video: Kolmanskuppe die Diamanten GEISTERSTADT

Verfallen Häuser in Kolmanskuppe | von: SqueakyMarmot unter Creative Commons Lizenz
Verwaltungsgebäude in Kolmanskuppe | von: GIRAUD Patrick unter Creative Commons Lizenz

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North Brother Island ist eine kleine Insel im East River und befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Manhattan. Mit South Brother Island hat die Insel noch eine kleinere Schwester Insel. Bekannt dürfte vor allem das nur ca. 500m entfernte Rikers Island, die berühmte Gefängnisinsel New Yorks, sein.

North Brother Island hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis 1885 war die Insel gänzlich unbewohnt. Dann zog das Riverside Hospital auf die Insel. Das Riverside Hospital sollte als Quarantäne Krankenhaus dienen, dafür war die Lage – isoliert aber in der Nähe zu Manhattan – perfekt. Vor allem Typhus-Patienten wurden hier behandelt. Die berühmteste Patientin war die als „Typhus Mary“ berühmt gewordene Mary Mallon (sie war Trägerin der Krankheit und verbreitete sie, erkrankte aber nicht daran).

Traurige Berühmtheit erlangte die Insel aber 1904 durch die Schiffskatastrophe des Ausflugsdampfers „General Slocum.“ Knapp 1.400 Personen, vor allem deutschstämmige Einwanderer aus dem damaligen New Yorker Stadtteil Kleindeutschland, waren an Bord des Raddampfers. Diese waren auf dem Weg zu einem Ausflugsort. Da die Ausfahrt an einem Mittwoch, also einem Werktag stattfand, waren überwiegend Frauen und Kinder an Bord. Als Matrosen Feuer entdeckten war es bereits zu spät. Der in die Jahre gekommene Dampfer geriet schnell in Brand, dieser konnte mit der maroden Löschausrüstung nicht mehr gelöscht werden.

Der Kapitän nahm volle Fahrt in Richtung North Brother Island auf, um von den vollen Öltanks an den East River Piers wegzukommen. Tragisch war dass die Schwimmwesten vergammelt waren und die Rettungsboote durch unzählige Farbschichten am Schiff festklebten. Vor North Brother Island angelangt, brannte das Schiff in vollem Ausmaß und viele sprangen in das Wasser. Da es kaum Schwimmer gab, ertranken die meisten. Trotz schnell herbeieilender unzähliger Boote und Schiffe ertranken 1.021 der knapp 1.400 Passagiere. Bis heute gilt dies als größtes ziviles Schiffsunglück der USA. Dieses schwere Unglück bedeutete quasi auch das Ende des New Yorker Kleindeutschlands. Viele Familien warne umgekommen und die Verwandten zogen aus Trauer in alle Teile der USA.
Noch Wochen später wurden in North Brother Island immer wieder Teile des Schiffs und Leichen angeschwemmt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Insel dann zunächst als Wohnprojekt für Kriegsveteranen genutzt. Später nutze man die Insel und die Gebäude als Entzugsklinik für Minderjährige Drogensüchtige. In den frühen 1960er Jahren führten Korruptionsskandale und Patientenmißhandlungen zur Schließung der Klinik.

Heute ist die Insel nicht öffentlich zugänglich, dennoch finden häufig Urban Explorer den Weg auf die Insel. Die Isolation führte dazu, dass sich auf der Insel eine beachtliche Nachtreiher-Population angesiedelt hat.

Da die Insel nicht öffentlich zugänglich ist, befinden sich keine Caches auf der Insel.
Auch im nahen Manhattan ist kein uns bekannter Cache der Insel gewidmet.
Es gab wohl Bestrebungen lokaler Cacher einen Cache auf der Insel zu legen, dieser wurde aber nie veröffentlicht.

Video: North Brother Island, NYC
The Jinx Project – Exploring North Brother Island (englisch)

Riverside Hospital auf North Brother Island | von: reivax unter Creative Commons Lizenz
links: Historisches Luftbild | rechts: Die brennende General Slocum im East River
Ehemaliges Auditorium

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Peleliu ist eine kleine Insel im Pazifischen Ozean und gehört zum Inselstaat Palau. Auf der gerade einmal 13 Quadratkilometer großen Insel lebten im Jahr 2000 571 Menschen.

Im 2. Weltkrieg fand hier die Schlacht um Peleliu zwischen amerikanischen und japanischen Soldaten statt. Die Schlacht war Teil des Krieges um die Palau-Inseln und dauerte vom 15.9. bis 25.11.1944. Die Amerikaner wollten den für sie strategisch wichtigen Flugplatz der Insel erobern. Die Schlacht war vor allem für die Amerikaner sehr verlustreich denn sie unterschätzten die militärische Stärke der Japaner. Die Japaner hatten auf der damals zu Japan gehörenden Insel 11.000 Soldaten stationiert. Die Amerikaner setzten insgesamt fast 30.000 Soldaten aller Truppenteile ein um die Insel und den wichtigen Flugplatz zu erobern. Doch die Schlacht im dichten Dschungel war äußerst verlustreich, 2.336 amerikanische Soldaten verloren ihr Leben und fast 9.000 wurden verwundet. Noch größer waren die Verluste auf japanischer Seite, vor allem dadurch dass der Nachschub zusammenbrach und irgendwann fast sämtliche Munitionsvorräte aufgebraucht waren, fielen 10.695 japanische Soldaten, gerade einmal 202 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Am 25. November 1944 wurden die Kampfhandlungen schließlich für beendet erklärt.

Doch noch weit nach Ende des 2. Weltkrieges gab es eine versprengte, rund 80 Mann starke japanische Einheit im Westen der Insel die immer wieder Angriffe durchführte. Diese hatten die Kapitulation Japans nicht mitbekommen und die letzten 34 Mann ergaben sich erst nach dem Aufruf eines ehemaligen Generalleutnants der Kaiserlich Japanischen Armee.

Wichtigste Einnahmequelle der Insel ist heute Tourismus. Regelmäßig besuchen organisierte Touren mit US-Veteranen die Insel und gedenken ihrer gefallenen Kameraden am amerikanischen Ehrenmal. Auch für die gefallenen japanischen Soldaten gibt es ein Ehrenmal auf der Insel.

Zahlreiche japanische Bunkeranlagen sowie Wracks von amerikanischen Panzern und Flugzeugen üben heute auch einen Reiz auf Lost Place-Touristen aus. Auch die Tauchreviere vor der Küste Pelelius zählen zu den besten der Welt.

Im gesamten Inselstaat Palau gibt es aktuell 11 Geocaches, darunter 8 Tradis mit größtenteils schönen großen Finaldosen und 3 Earthcaches. Bei geocaching.com findet Ihr eine Übersicht der Caches auf den Palau Inseln.

Video: Historische Filmaufnahmen des Angriffs auf Peleliu
Peleliu Island Tour

Japanisches Panzerwrack auf Peleliu | von: Manuae unter Creative Commons Lizenz
Japanisches Hauptquartier auf Peleliu | von: Manuae unter CC Lizenz
Japanisches Flugzeugwrack auf Peleliu | von: Manuae unter Creative Commons Lizenz

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Fordlândia ist heute eine Geisterstadt im brasilianischen Amazonas-Gebiet.

1920 hatte die Ford Motor Company ein 10.000 Quadratkilometer großes Stück Urwald von der brasilianischen Regierung erworben. Dort wollte man eine Kautschuk-Plantage errichten um unabhängiger von Kautschuk-Lieferungen, aus dem damals britischen Malaysia, zu werden. Kautschuk war damals noch unerlässlicher Grundstoff für die Produktion von Autoreifen.

Ford errichtete eine Kleinstadt nach amerikanischem Vorbild für 8.000 einheimische Arbeiter. Es gab Wohnhäuser, ein Krankenhaus, Kraftwerk, Schwimmbad, feuerwehr und mehr. Über den Rio Tapajós sollten die Produkte nach Sao Paulo transportiert werden. Doch das Projekt stand von Anfang an nie unter einem guten Stern, das Gelände war zu hügelig und zu unfruchtbar, zudem hatten die Ford-Manager wenig Ahnung von der Landwirtschaft in der Region. Aber nicht nur die Ausbeute der Plantagen wurde zum Problem – auch die tausenden lokalen Arbeiter wurden mehr und mehr ein Problemfaktor. Diese sollten wie in einer amerikanischen Kleinstadt leben – inklusive Arbeitszeiten von 6-15 Uhr, amerikanischem Fast Food. Man versuchte den Bewohnern also den „american way of life“ aufzudrängen. 1930 rebellierten die Arbeiter dann gegen die vorgeschriebenen amerikanischen Lebensbedingungen. Das brasilianische Militär schlug diesen Aufstand nieder. Fortan war Brasiliens Regierung gegenüber Ford aber misstrauischer und versagte eine weitere Unterstützung. Ford ließ das Projekt fallen und machte eine neue Plantage in Belterra auf. Aber auch dort floppte die Produktion und so verließen nie nennenswerte Mengen Kautschuk Brasilien in Richtung USA.

Die Entwicklung des synthetischen Gummis in den 1940er Jahren machte das Projekt dann gänzlich überflüssig und Ford beendete alle Zahlungen in die Region. Der Enkel Fords verkaufte die Stadt dann schließlich für 250.000 US$ an Brasilien. Nach 25 Millionen Investitionssumme war der Ausflug nach Brasilien ein teures Experiment für die Ford Motor Company. Noch einige Jahre wurden die Anlagen in Schuss gehalten, heute schaffen dies die knapp 800 Bewohner nicht mehr und so sind große Teile von Fordlândia dem Verfall preisgegeben.

In Fordlândia sind keinerlei Caches bekannt. Der nächste Cache befindet sich gut 100km weiter flußabwärts in Belterra (GC3DF7 – Belterra) Es handelt sich hier um einen Lost Place Tradi nah des alten Krankenhauses der Ford-Siedlung.

Video: Disney-Werbefilm über Fordlandia (englisch)
Video: Fernsehbericht über Fordlandia (englisch)

Werkhalle der Kautchuk-Produktion | von: Méduse unter Creative Commons Lizenz
Fordlândia Ende der 1920er Jahre
Verlassenes Gebäude | von: Méduse unter Creative Commons Lizenz

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Bei Nara Dreamland handelt es sich um einen geschlossenen Freizeitpark 2km vor der japanischen Stadt Nara. Nara Dreamland wurde 1961 eröffnet und war eine 1:1 Kopie des kalifornischen Disneylands.

Die Idee zum Park wurde geboren als Kunizo Matsuo (Präsident der Matsuo Entertainment Company) zu Grunde. Bei einem USA-Aufenthalt besuchte er Disneyland und wollte dann einen japanischen Ableger realisieren. Mit der Japanese Dream Sightseeing Company fand er einen Partner und auch Disney war zu einer Kooperation bereit. Es sollte zwar kein japanisches Disneyland werden, aber zumindest Design, Attraktionen und einige Figuren sollten übernommen werden. Amerikanische Disney-Ingenieure arbeiteten intensiv beim Bau des Parks mit.

Doch kurz vor der geplanten Eröffnung kam es zum Streit zwischen den Partnern und kurzerhand mussten alle Logos und Figuren geändert werden. Man entwarf ein eigenes Maskottchen und eröffnete dann als Nara Dreamland. Die Ähnlichkeit zum Disneyland blieb aber – die Eingänge der beiden Parks ähneln sich bis ins Detail und auch ein eigenes Märchenschloss (welches im Original dem deutschen Schloss Neuschwanstein nachempfunden ist) gab es in der japanischen Kopie. Dies trifft auch auch viele weitere Attraktionen wie Matterhorn-Bahn oder Monorail zu.

Der Park war zu Beginn ein riesiger Erfolg. Er wurde regelrecht von den Besuchermassen überrannt. Als jedoch 1983 das Disneyland Tokyo eröffnete brachen die Besucherzahlen ein. 1993 wurde die Japanese Dream Sightseeing Company samt dem Park an den japanischen Supermarkt-Betreiber Daiei verkauft. Als im Jahr 2001 dann auch noch 40 Kilometer entfernt, in Osaka, die Universal Studios Japan eröffneten, war dies der Todesstoß für den Park. Es wurde kein Geld mehr investiert, der Park zerfiel und wurde 2006 schließlich endgültig geschlossen.

Der Park ist heute noch nahezu vollständig erhalten. Alle Attraktionen sind vorhanden. Das Gelände wird bewacht und der Park gehört immer noch Daiei. Trotz guter Bewachung gelangen aber immer wieder Urban Explorer, Fotografen und Jugendliche in den Park der dennoch weitgehend von Plünderungen und Vandalismus verschont blieb.

Im Park selber gibt es natürlich keine Geocaches.
In Nara selber gibt es aber mehr als 100 Caches, größtenteils Tradis. Im 1km Radius um den Park gibt es z.B. die Tradis Nara Juvenile Prison (GC2WPCM) und Totoro Tree? (GC2WPEA).

Video: Walkthrough durch den verlassenen Park (englisch)
Video: Spaziergang auf dem Aska Rollercoaster

Eingangsportal des Nara Dreamland
Achterbahn im Nara Dreamland
Holz-Rollercoaster
Die Attraktionen verfallen zusehends…
Märchenschloss im Nara Dreamland (2005, kurz vor der Schließung) | von: Ivan Lucas unter Creative Commons Lizenz

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Hashima Island ist ein wahrlich beeindruckender Ort. Die Insel ist auch bekannt unter dem Namen Gunkanjima was zu deutsch in etwa Kriegsschiff-Insel bedeutet. Dies spielt auf die Form der Insel an deren Umrisse an ein Schlachtschiff erinnern.
Die Insel war von 1887 bis 1974 ein wichtiges Abbaugebiet für Kohle. Diese wurde unterseeisch abgebaut. Die Insel hatte ursprünglich einmal eine Breite von 120m und eine Länge von 320m. Durch fortwährende Aufschüttungen mit Abraum aus dem Kohleabbau erreichte die Insel schließlich die heutigen Ausmaße von 160m Breite und einer Länge von 480m. Die Fläche der Insel beträgt 6,3 ha.

Die Blüte der Insel war 1916 erreicht. Der Mitsubishi-Konzern forcierte maßgeblich den Abbau. Um genügend Platz für die Arbeiter zu schaffen wurde die Infrastruktur immer weiter ausgebaut und die Häuser immer weiter erhöht. Im 2. Weltkrieg wurden die japanischen Arbeiter gegen chinesische und koreanische Zwangsarbeiter ausgetauscht. Bei unmenschlichen Arbeitsbedingungen verstarben ca. 1.300 Arbeiter.
Im Jahr 1959 wurde eine Bevölkerungsdichte von 83.476,2 Einwohnern pro Quadratkilometer festgestellt – das war zu diesem Zeitpunkt die höchste jemals ermittelte Bevölkerungsdichte auf der Erde. Gerade einmal knapp 10 Quadratmeter Wohnraum standen einem Arbeiter zur Verfügung. Verheiratete Familien erhielten immerhin den doppelten Platz, wobei Küchen und sanitäre Einrichtungen gemeinschaftlich genutzt wurden.
Die Infrastruktur wurde mit der Zeit immer mehr verbessert, so gab es Geschäfte, ein Kino, ein Hotel, mehrere Schulen und sogar ein Bordell auf der Insel. In folge der durch die japanische Regierung beschlossenen Energiereform wurde am 15. Januar 1974 die Beendigung des Kohleabbaus beschlossen. Alle Bewohner waren auf einen Schlag arbeitslos und verließen quasi über Nacht die Insel und ließen dabei auch allerhand persönliche Gegenstände zurück.

Nach der Schließung wurde Hashima zum Sperrgebiet. Da Betreten war lange Zeit verboten. Für viele Japaner gilt Hashima heute als Mahnmal für die rücksichtslose Ausbeutung von Natur und Mensch. Trotz des Betretungsverbotes zog es aber immer wieder Fotografen oder Jugendliche auf die Insel. Zahlreiche menschliche Hinterlassenschaften zeugen vom regen „illegalen“ Besucherstrom. Die nahe Stadt Nagasaki hat aber mittlerweile das touristische Potential der Insel erkannt. 2009 wurde ein holzbeplankter und abgesperrter Pfad über die Insel errichtet. Die Besucher werden mit Booten auf die Insel gefahren und können dann sehr begrenzt die Insel erkunden. Das Betreten von Gebäuden ist nach wie vor untersagt.

Mittlerweile gibt es auch Bestrebungen die Insel als UNESCO Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Inzwischen ist es auch möglich sich via Google StreetView auf der Insel umzusehen. Für die spektakulären Aufnahmen hat Google ein Team auf die Insel geschickt, welches dort zu Fuß und mit speziellen Rucksäcken ausgestattet, die spektakulären Aufnahmen der gesamten Insel aufgenommen hat. (Video über die Aufnahmen)

Zwar ist Hashima Island kein generelles Sperrgebiet mehr, der einzige Cache auf der Insel lag aber abseits des Touristen-Rundwegs im ehemaligen Hospital. Um diesen Cache zu bergen musste man sich also einen „alternativen“ Zugang zur Insel beschaffen. Dementsprechend war der Tradi-Cache mit dem Namen Gunkanjima (Hashima), an abandoned island (GC2JX0Q) auch ein D5/T5. Der einzige Fund erfolgte im Januar 2011. Im Januar 2014 folgte dann die Archivierung da der Cache gegen Richtlinien der zuständigen Stadt Nagasaki verstieß. Fast zeitgleich mit der Archivierung folgte mit Gunkanjima / 軍艦島 (GC4VDK7) aber ein neuer Cache der zum aktuellen Zeitpunkt (Februar 2016) noch auf seinen FTF wartet.

Tolles 15minütiges Youtube-Video (engl. untertitelt)
Weitere beeindruckende Bilder in einem Youtube-Video

Hashima Island | von: Hisagi (氷鷺) unter Creative Commons Lizenz
Hashima Island Block 65 | von: Jordy Theiller unter Creative Commons Lizenz
Touristische Erschließung von Hashima | von: At by At unter Creative Commons Lizenz

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Es war der 26. April 1986 als sich der Name Tschernobyl in das Gedächtnis der Weltöffentlichkeit brannte. Doch viel schlimmer als das einige Kilometer entfernte Tschernobyl, war die Stadt Prypiat betroffen.

Die Stadt Pripyat wurde 1970 als Wohnstadt für die Arbeiter des Lenin AKW gegründet udn verdankt ihren Namen ihrer Lage am Fluss Pripyat. Das Lenin AKW war damals das 9. Atomkraftwerk in der Sowjetunion. 1985 lebten etwa 47.500 Einwohner in der für 75.000 Einwohner ausgelegten Stadt. Für sowjetische Verhältnisse war die Stadt dank der gut bezahlten AKW-Mitarbeiter reich und mit einem Durchschnittsalter ihrer Bewohner von nur 26 Jahren war Pripyat eine der “jüngsten Städte” der UdSSR.

Es war früh morgens am 26. April 1986 als es durch menschliches Versagen zum verheerenden Unglück kam. Durch Explosionen und Feuer wurden riesige Mengen radioaktiver Strahlung ausgestoßen. In den Medien wurde davon zunächst nichts bekannt und auch die Bewohner Pripyats wurden im Unklaren gelassen. Erst 36 Stunden nach dem Unfall erfolgte am 27.4.1986 die Evakuierung der Stadt. Es gab eine kurze Radioansprache in der die Evakuierung für 14 Uhr angekündigt wurde. Die Bewohner sollten sich au eine dreitägige Abwesenheit einstellen. In nur 2,5 Stunden war die Evakuierung mit 1.200 Bussen abgeschlossen.

Doch auch nach der Evakuierung wurde Prypiat keine Geisterstadt, bis Ende der 90er Jahre wurde beinahe die gesamte Infrastruktur aufrecht erhalten. Es gab weiterhin produzierende Betriebe und das Schwimmbad der Stadt schloss beispielsweise erst 1998. Erst die Aufgabe der letzten Betriebe Ende der 90er und die endgültige Aufgabe der Stadt ermöglichte den extremen Verfall und die Plünderungen die heute allgegenwärtig sind.

Es gibt keine genauen Zahlen aber Schätzungen gehen davon aus, dass ab 1986 600.000 bis 1 Million sogenannter Liquidatoren hier ihre Arbeit verrichteten. Darunter waren Freiwllige, Gefangene und Mitarbeiter staatlicher Betriebe. Auch die Opferzahlen sind nahezu unbekannt, Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Todesopfern, die vor allem an den Langzeitfolgen der Strahlung die 500 mal stärker als die der Hiroshima-Bombe war, starben.

Heute ist das Gebiet rund um das ehemalige Lenin AKW weiterhin Sperrgebiet. Die Strahlungswerte erlauben aber wieder den Besuch der Stadt. Dies ist mit lizensierten Agenturen möglich. Je nach Umfang und Dauer der Tour sind dafür 100 bis 300 US$ fällig. Neben den Tagesbesuchern leben heute aber auch wieder einige tausend Menschen – größtenteils illegal – in der Zone. Oft sind es alte Menschen die nach der Evakuierung nicht sesshaft wurden und wieder in ihre alten Häuser zurückkehrten. Diese Menschen ernähren sich heute vom Obst und Gemüse welches sie im verstrahlten Boden anbauen und von den Tieren die sie dort halten.

Aktuell gibt es in Prypiat einen, auf geocaching.su gelisteten, Virtual. Für kurze Zeit gab es auf geocaching.com auch einen Tradi-Cache (GC2TCHE) in Pripyat. Er war aber nur kurze Zeit online und wurde schnell wieder archiviert. Im Mai 2012 wurde dann der Earth Cache „Bennies Blowout Battle“ (GC2V455) veröffentlicht.

Video: Chernobyl & Pripyat (englisch)
gocacher-Artikel: Impressionen aus Kiew & Pripyat

Pripyat Panorama | von: Matti Paavonen unter Creative Commons Lizenz
Pripyat | von: Sergey Kamshylin / 123rf.com
Nie eröffneter Rummel in Pripyat | von: Sergey Kamshylin / 123rf.com
Kulturpalast Energetik in Pripyat | von: Sergey Kamshylin / 123rf.com

Bildquellen

Kegelclub Gut Holz:
von Anagoria (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

Verfallen Häuser in Kolmanskuppe:
von SqueakyMarmot [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Riverside Hospital auf North Brother Island:
By reivax from Washington, DC, USA (Riverside Hospital) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Historische Bilder Nort Brother Island:
Public Domain – herausgegeben von der US Küstenwache

Japanisches Panzerwrack auf Peleliu:
By Manuae (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Japanisches Hauptquartier auf Peleliu:
By Manuae (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Japanisches Flugzeugwrack auf Peleliu:
By Manuae (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Werkhalle in Fordlândia:
von Méduse (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Wohnaus in Fordlândia:
von Méduse (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons

Märchenschloss im Nara Dreamland:
By Ivan Lucas (photo taken by Ivan Lucas) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons

Hashima Island:
von Hisagi (氷鷺) (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons

Hashima Island Block 65:
von Jordy Theiller (Eigenes Werk) [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

Touristische Erschließung von Hashima:
By At by At (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Pripyat Panorama:
By Matti Paavonen (Own work) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

8 Kommentare

  1. Zu Hashima: „Im Jahr 1959 wurde eine Bevölkerungsdichte von 83.476,2 Einwohnern pro Quadratkilometer festgestellt – das ist die höchste jemals ermittelte Bevölkerungsdichte auf der Erde.“

    Nicht ganz. Siehe Kowloon Walled City (Wikipedia): „Hiermit ergibt sich in dem nur 0,025 Quadratkilometer großen Gebiet eine Bevölkerungsdichte von über 1,3 Millionen Einwohner je Quadratkilometer.“

    Ansonsten danke für den sehr interessanten Bericht.

  2. Hallo,
    bei Platz 4 hört sich folgender Text nicht ganz stimmig an:

    „Die Entwicklung des synthetischen Gummis in den 1940er Jahren machte das Projekt dann gänzlich überflüssig und Ford beendete alle Zahlungen in die Region. Der Enkel Fords verkaufte die Stadt dann schließlich für 250.000 US$ an Brasilien. Nach 25 Millionen Investitionssumme war der Ausflug nach Brasilien ein teures Experiment für die Ford Motor Company. Noch einige Jahre wurden die Anlagen in Schuss gehalten, heute schaffen dies die knapp 800 Bewohner nicht mehr und so sind große Teile von

    Bis zum Jahre 1945 wurde jedoch der synthetische Gummi entwickelt und Ford stellte sofort alle Zahlungen ein. Sein Enkel Henry Ford II verkaufte die Stadt für 250.000 US-Dollar an Brasilien, nachdem über 25 Millionen US-Dollar investiert wurden. Die Anlagen wurden eine Weile weiter gewartet, aber inzwischen schaffen es die 800 Einwohner nicht mehr, den Verfall aufzuhalten. So sind heute weite Teile von Fordlândia dem Verfall preisgegeben. „

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