Im Test: Garmin vivosmart – Fitnesstracker trifft Smartwatch

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Im Rahmen der IFA hat Garmin eine „smarte“ Alternative zum Fitness-Armband vivofit vorgestellt. Wir hatten nun Gelegenheit das Vivosmart einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Zwei Themen waren auch auf der IFA in Berlin prägend – zum einen hält der Boom der Fitness- und Aktivitätstracker ungemindert an und zum anderen entwickeln sich Smartwatches immer mehr zu einem Trendthema. Vor allem die Ankündigung der Apple Watch sowie der neuesten Produkte von Samsung, LG, Motorola & Co hat dem Thema noch einmal einen mächtigen Schub verliehen. Doch die größtenteils sehr schlechten Akkulaufzeiten dürften den Smartwatches den Durchbruch in den Massenmarkt noch eine Weile verwehren. Laufzeiten von weniger als einem Tag, wie sie bei der Motorola 360 oder auch der Apple Watch normal zu sein scheinen, sind einfach nur wenig praxistauglich.

Smarte Fitnesstracker scheinen da ein guter Kompromiss zwischen langer Akkulaufzeit und „smarten Funktionen,“ wie die Vernetzung mit dem eigenen Mobiltelefon. Mit dem vivosmart stellt Garmin dem Vivofit nun ein smartes Schwestermodell zur Seite. Wir haben uns das vivosmart einmal ganz genau angesehen und im Praxisbetrieb getestet.

Zuerst einmal ist das vivosmart ein ganz normaler Fitnesstracker wie auch das vivofit. Genau wie beim kleinen Bruder zeigt auch das vivosmart Zeit, Datum, zurückgelegte Schritte und Strecke, verbrannte Kalorien und das Tagesziel an. Auch der bekannte Aktivitätsbalken darf nicht fehlen – auch wenn er beim Vivosmart nur einfarbig angezeigt wird.

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Im Normalzustand ist vom Vivosmart nicht viel zu sehen, denn um den Akku zu schonen, schaltet sich das beleuchtete OLED-Display erst an, wenn man mit dem Finger zweimal leicht auf das Armband klopft. Mit einem leichten Wischen über das Display wechselt man die Anzeige und kann durch die einzelnen Menüs switchen. Bei Nichtbenutzung schaltet sich das Display wieder innerhalb weniger Sekunden ab.

Mit einem etwas längeren Druck auf das Display erreicht man das Hauptmenü in dem einige Einstellungen direkt am Armband vorgenommen werden können. Einstellungen wie die Helligkeit der Beleuchtung oder Uhrzeit können hier vorgenommen werden aber auch das manuelle Anstoßen einer Synchronisation, der Wechsel in den Schlafmodus oder Bluetooth-Pairing sind möglich. Auch eine Aktivität wie z.B. eine Joggingrunde kann hier gestartet werden. Ganz nett ist auch die Telefonfinder-Funktion, mit der man das eigene Smartphone mit Hilfe von Balken, die die Stärke des Bluetoothempfangs, und somit die Entfernung zum Smartphone anzeigen, wiederfinden kann. Auch ein Klingeln des Telefons kann man mit dieser Funktion auslösen.

Die Abmessungen des vivosmarts sind im vergleich zum vivosmart noch einmal geschrumpft. So ist das vivosmart deutlich schmaler und auch beim Gewicht fallen die nun 19 Gramm am Arm kaum noch auf.

Erste Schritte

Die ersten Schritte mit dem vivosmart gestalten sich einfach. Nach dem Erhalt sollte man das Armband erst einmal vollständig aufladen. Dazu wird das Vivosmart in einer Ladeklemme befestigt. Mit dem USB-Anschluss kann der Ladevorgang dann über den Rechner, ein 220V oder KFZ-Ladegerät erfolgen. Mit der für Apples iOS und Android verfügbaren Garmin Connect Software stellt man dann die erstmalige Verbindung zwischen Smartphone und vivosmart her. Dies ist unkompliziert und geht in wenigen Minuten vonstatten. Im Menü der Connect-Software können dann einige Einstellungen für das vivosmart angepasst werden. So kann man die Sprache der Anzeigen, das Format der Uhrzeitanzeige und alle weiteren Einstellungen vornehmen. Auch Weckzeiten (zu denen das vivosmart dann dezent vibriert) oder die Anordnung der Anzeigen können verändert werden.

Smarte Features

Der Hauptunterschied zum günstigeren Vivofit liegt in den „smarten Features“ des Wearables. In Verbindung mit dem eigenen, per Bluetooth verbundenen Smartphone, zeigt das Armband z.B. eingehende Anrufe an oder zeigt eingehende Nachrichten an. Bei iOS sind das beispielsweise alle Nachrichten die auch im Notification Center des iPhones angezeigt werden. So gelangen also auch Nachrichten der News-App, WhatsApp oder Facebook-Nachrichten auf das Display des vivosmart. Eingehende Nachrichten werden durch Aktivierung des Displays und ein kurzes Vibrieren signalisiert. Im Alltag erweist sich dies als ziemlich praktisch, weil man nicht für jede Kleinigkeit gleich das Smartphone aus der Tasche nehmen muss.

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Doch die Features beschränken sich nicht auf das bloße Anzeigen von Nachrichten und Anrufen. Auch der Musikplayer des Smartphones kann mit dem vivosmart gesteuert werden. Etwas schade ist, dass zumindest bei iOS lediglich der normale Musikplayer, nicht aber Apps wie Spotify oder alternative Player unterstützt werden. Ähnliche Produkte anderer Hersteller sind hier etwas flexibler.

Aber dass ist längst nicht alles. Via ANT+ Schnittstelle lassen sich auch weitere Produkte aus dem Hause Garmin mit dem Vivofit verknüpfen. So lassen sich mit dem optionalen Herzfrequenz-Brustgurt umfangreichere Daten aufzeichnen. Auch ein Bike-Speed-Sensor befindet sich im Zubehörprogramm. Mit diesem lassen sich auch zurückgelegte Fahrradstrecken und Geschwindigkeit auf dem vivosmart anzeigen.

Auch Besitzer einer Garmin Virb Actionkamera haben mit der vivosmart einen praktischen Zusatznutzen. So kann man direkt vom vivosmart aus Aufnahmen starten oder stoppen oder Fotos aufnehmen.

Insgesamt können die smarten Features der vivosmart überzeugen. In der Praxis sind die Notifications äußert nützlich und gerade in Verbindung mit optionalen Zubehör macht die vivosmart richtig Spaß.

Reichhaltiges Zubehör - vom Bike Speed Sensor (links) bis zum Herzfrequenz-Brustgurt (Mitte und rechts)
Reichhaltiges Zubehör – vom Bike Speed Sensor (links) bis zum Herzfrequenz-Brustgurt (Mitte und rechts)

Akku

Durch die Verwendung eines OLED-Displays und der smarten Bluetooth-Features sind Laufzeiten von einem Jahr wie bei der Vivofit natürlich nicht möglich. Garmin gibt für die vivosmart eine Akkulaufzeit von rund 7 Tagen an. Nutzt man die Bluetooth-Features nicht dauerhaft, ist das auch realistisch. Bei dauerhafter Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone und normaler Aktivitätsdauer sind im Praxisbetrieb rund 4 Tage Laufzeit möglich.

links: Das vivosmart in der Ladeklemme | Mitte: Verschluß | rechts: Die Ladekontakte des vivosmart
links: Das vivosmart in der Ladeklemme | Mitte: Verschluß | rechts: Die Ladekontakte des vivosmart

Garmin Connect Software

Ohne die entsprechende Software könnte man auf dem Dauer herzlich wenig anfangen mit dem vivosmart. So ist die Verwendung der Software Garmin Connect eigentlich obligatorisch – theoretisch lässt sich das Fitnessarmband auch in Verbindung mit einem PC / Mac vollwertig nutzen – wesentlich bequemer und effektiver ist die Nutzung aber in Verbindung mit der für Android und iOS erhältlichen Smartphone App.

Bei bestehender Bluetooth-Verbindung synchronisiert das vivosmart in regelmäßigen Abständen automatisch die Daten mit der Software, wobei sich die Synchronisation natürlich auch manuell auslösen lässt. Alle wichtigen Daten laufen dann in der Connect-Software zusammen, wo sie auch mit Daten anderer Garmin-Produkte wie Edge, Forerunner, fenix oder GPSMap kombiniert werden können. Hier hat man dann einen Überblick über zurückgelegte Schritte, Entfernungen, das Schlafverhalten. Die Daten lassen sich auch sehr gut mit den Werten der vergangenen Tage, Wochen oder Monate vergleichen.

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Zur Steigerung der eigenen Motivation erhält man nach dem Absolvieren bestimmter Hürden, z.B. 100.000 Schritte, Challenge Siege etc auch Auszeichnungen die mit den entsprechenden Badges in der App dargestellt werden. Mit Hilfe zusätzlicher Apps oder eigener Eingaben lassen sich auch das eigene Gewicht sowie die eigene Ernährung überwachen.

Zusätzlich lassen sich alle relevanten Daten auch über das Webportal connect.garmin.com abrufen. Auch hier stehen umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten und Funktionen zur Verfügung.

Das Garmin Connect Webportal
Das Garmin Connect Webportal

Fazit

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Zugegeben – als Vivofit-Besitzer war die Neugier sofort nach der Vorstellung auf der IFA geweckt. Einige Vorstellungen diverser neuer Smartwatches ließ das Interesse in den Folgewochen aber ein wenig abkühlen. Doch nachdem die ein oder andere Smartwatch in den letzten Wochen zum Test hier aufschlug trat Ernüchterung ein. So nett die Funktionen einer Smartwatch auch sind – wenn die Akkulaufzeit in der Praxis oft weniger als einen Tag beträgt und man am Ende des Tages nicht vergessen darf neben dem eigenen Smartphone auch die eigene Uhr zu laden, fehlt es für mich letztendlich an Praxistauglichkeit. Auch die im Vorfeld von vielen lang ersehnte Apple Watch wird hier keine Revolution auslösen – denn erste Tester berichten auch hier von mehr oder weniger katastrophalen Akkulaufzeiten.

So war die Neugier dann auch wieder deutlich größer als das vivosmart-Armband hier zum Test eintraf. Optisch kommt es schlicht aber nicht billig daher. Die Verarbeitung ist super und das schlanke Design weiß zu gefallen. Mit 19 Gramm Gewicht ist es am Handgelenk kaum spürbar. Die Basisfeatures sind von anderen Fitnessarmbandern und dem weniger smarten Schwestermodell Vivofit bekannt. Überzeugend wurden aber auch die Features umgesetzt die das Armband auch wirklich „smart“ machen. Egal ob Anzeige eingehender Anrufe, Nachrichten oder die Fernsteuerung von Musikplayer oder Virb-Actionkamera – das Vivosmart kann hier seine wirklichen Stärken ausspielen. Das gilt erst recht wenn man weiteres Zubehör wie einen Herzfrequenz-Brustgurt oder den Bike Speed Sensor verwendet.

Die Garmin Connect Software und Weboberfläche sind inzwischen auf einem guten Stand und werden weiterhin ständig mit neuen Features und Funktionen erweitert. So kam beim jüngsten Update von Garmin Connect für iOS-Smartphones die Unterstützung für die bei iOS 8 eingeführten Health-Funktionen hinzu.

Ganz sicher sind 169 Euro für ein Fitnessarmband alles andere als ein Schnäppchen – aber auf Grund der zahlreichen Features und der engen Vernetzung mit anderen Garminprodukten hebt sich das vivosmart von zahlreichen Mitbewermodellen ab. Trotz kleinerer Kritikpunkte hat sich das vivosmart somit unser „sehr gut“ Testurteil verdient.

Das Vivosmart Fitnessarmband ist zum Preis von 169 Euro ab sofort erhältlich. Da die Armbänder nicht wechselbar sind, muss man sich bereits beim Kauf festlegen ob man die kürzere S-Variante oder das Modell in Größe L kaufen möchte. Auch stehen fünf verschiedene Farben – blau, grau, schwarz, berry oder lila – zur Verfügung.

LINK: Produkt-Infoseite von Garmin
LINK: Garmin vivosmart auf der Garmin Homepage


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2 Kommentare

  1. Hi 🙂

    Genau die von Dir genannte Akkulaufzeit bei Smartwatches ist eine Sache, die mich absolut vom Kauf abhält. Fitnessarmbänder sind zwar in der Funktion etwas eingeschränkter, allerdings ist hier das Entwicklungspotential mindestens genauso groß wie bei den „Uhren“ selbst, sodass auch hier sicher noch das eine oder andere spannende Feature Einzug in die Tracker erhält.

    Ich selbst nutze aktuell den Preiskiller Xiaomi Mi Band, auch wenn ich bei diesem leider auf ein Display verzichten muss. Seine Aufgabe verrichtet das Band aber bravourös und die Akkulaufzeit von runden 40 Tagen ist überragend 🙂

    Gruss
    Tobi

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