Hoëckers Entdeckungen

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Da ist es nun endlich. Manch Geocacher-Seele schäumt bereits, erdreistet sich Bernhard Hoëckers doch tatsächlich mit unserem geliebten, ach so geheimen Hobby Geld zu verdienen. Einem weiteren Teil der Geocaching-Gemeinde wird das Buch auch schlichtweg egal sein und ein – wie ich denke – nicht unerheblicher Teil der Community, freut sich auf ein tolles Buch mit fantastischen Lost Place Bildern und lustigen, bissigen und interessanten Texten des Comedians.
Ich zähle mich zur letztgenannten Gruppe, versuche aber dennoch, das Buch so unvoreingenommen wie möglich, zu betrachten.

Bevor Ihr euch meinen Kommentar zum 256 Seiten starken Hardcover-Buch zur Gemüte führen könnt, gibt es erst einmal die Beschreibung des Verlages.

Das Buch

„Der anvisierte ruinöse Steinhaufen ist unerwartet von eifrigen Dresdner Bürgern wieder in ein steriles Gemeindezentrum verwandelt wurden.“ Doch dank Geocaching, gibt es neben der Frauenkirche noch genug andere Plätze – unerkannt, bizarr und mitten unter uns – die einen Ausflug ins Vergangene, ins Verfallene, aber irgendwie heute noch Lebende ermöglichen.
Bernhard Hoëcker hat sich trotz zahlreicher Warnungen, wie „Komm nicht vom Weg ab, Kind!“ mit seinen Weggefährten Haffner und Zimmermann auf die Suche gemacht und alte Industrieruinen oder militärische Anlagen, die nicht bewusst als Denkmäler erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, aufgesucht. Dabei begegnete dem Trio Bizarres, wie die ehemaligen Diamaltwerke in München, die Heilstätte Beelitz, das NVAHotel in Thüringen oder Schilder die eigentlich den Zugang verwehrten. Das Umgehen dieser Hinweise und der damit gesetzten konsequenten moralischen Korrektheit lässt sich jedoch erklären: Alles zugunsten der vollständigen Erschließung der googlebaren urbanen Zone. Und da Hoëcker nicht umsonst der deutsche Kult-Comedian ist, sind die spektakulärsten Bilder der Suche nach unbekanntem Terrain, mit gewohnt intelligenten, witzig schrägen Texten kommentiert. Ein eindrucksvolles Bilderbuch längst vergessener Ort mit dem Aha-Effekt: Nicht nur für die eingeschworene Gemeinde der Lost-Places-Liebhaber.

Neben Bernhard Hoëcker sind auch noch 2 weitere Autoren am dem Projekt beteiligt gewesen, das schreibt der Verlag zu den drei Autoren:

Bernhard Hoëcker, der wissbegierige Comedian, ist bekannt aus … Dingen, die man kennt. Seiner Neugier ist es zu schulden, dass er durch zerbrochene Fenster steigt, hinter eingestürzte Mauern schaut und durch unverschlossene Türen geht. Wie er die gemachten Erfahrungen verarbeitet, hat er natürlich niedergeschrieben.

Erik Haffner lebt in München und arbeitet seit 1999 als Regisseur und Autor. Mit seiner Firma bumm film realisiert er verschiedene ComedyProjekte und ist einer der Miterfinder von Bernd das Brot. Dies alles prädestiniert ihn in keinster Weise dafür, in baufälligen Gebäuden herumzuklettern. Er tut es trotzdem.

Tobias Zimmermann, ist Musikethnologe. Das klingt zwar toll, aber um Geld zu verdienen arbeitet er seit Jahren auch als Redakteur und Autor. Die nötige Entspannung sucht er im Maroden, Zerfallenen und Kaputten. Damit er nichts vergisst, fotografiert und beschreibt er das.

Soviel also zu dem, was der Verlag über das Buch zu sagen hat. Mich hat die Vorstellung und die Inhaltsangabe neugierig gemacht, zum einen liegt das sicherlich an meiner Vorliebe für Lost Places aber ich muss gestehen, auch Bernhard Hoëcker ist mir nicht unsymphatisch und ich mag seine Art Comedy zu machen. Intelligent und witzig sind zwei der Attribute mit denen seine Comedy oft beschrieben wird. Wer Fans hat, hat natürlich auch immer Personen die einen nicht mögen, da geht es Hoëcker sicher nicht anders wie jedem anderen „Promi“ auf dieser Welt.
Schon sein erstes Buch zum Thema Geocaching (Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers) fand in Cacher-Kreisen nicht nur begeisterte Anhänger. Letztendlich wird aber auch das überwiegend positive Feedback dazu geführt haben, dass es nun ein weiteres Buch mit ähnlichem Thema gibt. Der Aufschrei in der Community wird indes noch größer werden. An Vorwürfen in Blogs und Foren mangelt es bereits jetzt nicht. So soll das Buch dem heiklen Thema der Lost Place Caches schaden und Hoëcker bereichere sich am „Content“ anderer – das sind nur 2 der vorgebrachten Kritikpunkte. Bestimmte Teile der Community werden sicherlich auch noch weitere Argumente vorbringen.

Aber seien wir mal ehrlich: Wird dieses Buch dem Thema Lost Places wirklich noch mehr schaden als all die anderen Bücher zum Thema, als all die Cacher die sich nicht auf LP zu benehmen wissen, als all die anderen an Lost Places Interessierten die Woche für Woche auf Entdeckungstour gehen? Ich denke nein! Letztlich wird niemand die knapp 20€ ausgeben der nicht am Thema interessiert ist und auch die Presse über dieses Buch wird außerhalb der üblichen Medien, Blogs & Foren vernachlässigbar sein.

In meinen Augen sollte die „Szene“ das Ganze deutlich entspannter sehen und das Buch als das betrachten was es letztendlich ist: Ein interessanter Bildband mit interessanten und witzigen Texten – nicht mehr und nicht weniger. Und wer Hoëcker oder das Thema Lost Places nicht mag, wird nicht gezwungen Berichte wie diesen oder gar das Buch zu lesen.

Nachdem ich jetzt 800 Wörter geschrieben habe und noch immer nicht beim eigentlichen Inhalt angelangt bin, komme ich nun endlich zu dem eigentlichen Thema des Artikels.

Hoëckers Entdeckungen

Nach einem kurzen Vorwort Hoëckers ist man auch gleich „mittendrin“ – den Anfang macht ein 32 Seiten starkes Kapital über einen der bekanntesten und interessantesten Lost Places Deutschlands, die Beelitzer Heilstätten. Das Kapitel wird mit vielen, teils großformatigen Bildern der Heilstätten angereichert, schließlich handelt es sich ja auch um einen Bildband. Gleich in diesem ersten Kapitel greift er auch die rechtliche Problematik des Betretens solcher Lost Places recht humorig auf.
Im Anschluss folgt ein How To-Artikel über den korrekten Umgang mit Lost Places, der richtigen Ausrüstung u.s.w. – wenn auch witzig geschrieben, sind das auch Punkte die sich jeder Geocacher zu Herzen nehmen sollte. Es folgen weitere Kapitel über verschiedenste Lost Places so zum beispiel das ehemalige Diamaltwerk München oder ein verlassenes NVA-Hotel in Thüringen. Doch die Beschreibungen der Lost Places unterscheiden sich jedesmal in Art und Weise, einmal als Komplettlösung eines fiktiven Computerspiels ein anderes mal als fiktive Agentenstory. So kommt keine Langeweile auf und ich habe Kapitel für Kapitel verschlungen.

Gerade diese abwechslungsreiche Art die Lost Places vorzustellen macht das Buch zu mehr als einem x-beliebigen Bildband vergessener Orte. Ganz klar, man muss Hoëckers Art mögen, denn auch wenn es viele interessante Fakten zu lesen gibt, so driften die Texte doch oft auch ein wenig zu sehr in den Comedy-Bereich ab.

Positiv anmerken möchte ich, dass in der Regel komplett auf ausführliche Ortsangaben verzichtet wird. Ganz klar, wer Google bedienen kann wird die Lost Places sicherlich finden können – aber dennoch finde ich diese Entscheidung der Autoren gut. Am Ende des Buches gibt es dann auch noch einen „BILDVERORTUNGSBEMERKUNGSANHANG“ wo man auf diese Problematik noch einmal eingeht und zu vielen Bildern auch weitere, sachliche Fakten liefert.

Fazit

Als Lost Place Fan gehöre ich auf jeden Fall zur Zielgruppe dieses Buches. Wenn man dann auch noch die Art Comedy Hoëckers mag, kann man eigentlich nichts mehr falsch machen. Ich wurde zumindest 256 Seiten lang prächtig unterhalten, habe viel Lachen und Schmunzeln müssen und konnte mich an beeindruckenden Lost Place-Bildern erfreuen. Wenn man nach 256 Seiten wehleidig das Buch zuschlägt und es schade findet, dass es schon vorbei ist, dann haben die Autoren auf jeden Fall alles richtig gemacht. „Hoëckers Entdeckungen“ ist aber keines der Bücher welches man nach dem einmaligen Durchblättern weglegt – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es fortan öfters mal zum Blättern, Schmökern in die Hand nehmen werde.

Ich kann daher meine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen und hole mir schon mal das Popcorn für das sicher nicht ausbleibende „Bashing“ der Kritiker und No Press-Befürworter – wobei ich anmerken muss, dass ich deren Argumente bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehen kann.

Hoëckers Entdeckungen:
Ein merkwürdiges Bilderbuch längst vergessener Orte

Preis: 19.99€
Erscheinungsdatum: 13.10.2011
ISBN: 386883172X
Verlag: Riva
Gebundene Ausgabe
200 Seiten
Autoren: Bernard Hoëcker, Erik Haffner, Tobias Zimmermann
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