Land Berlin erwirbt Spreepark für 2 Millionen – Dinos werden weichen

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Nicht erst seit dem Berliner MEGA EVENT im vergangenen Jahr haben viele Geocacher Anteil am Schicksal des ehemals einzigen DDR-Freitzeitparks genommen.

Doch seit dem Event, welches Anfang August viele tausend Geocacher nach Berlin lockte, ist das Interesse nochmals gestiegen und jede Pressemeldung wurde in der Community eifrig diskutiert. Gescheiterte und abgebrochene Verkaufsverhandlungen, Querelen zwischen Pächtern und Land – immer wieder geriet der Spreepark in die Medien.

Aber bereits vor den aktuellen Ereignissen war die Geschichte des Parks nach der Wende eine bewegte:

Kulturpark Plänterwald, 1985 | Bundesarchiv, Bild 183-1985-0404-021 / Franke, Klaus / CC-BY-SA
Kulturpark Plänterwald, 1985 | Bundesarchiv, Bild 183-1985-0404-021 / Franke, Klaus / CC-BY-SA

1969 als Kulturpark Plänterwald eröffnet, war der Park der einzige, ständige Freizeitpark der ehemaligen DDR. Nach der Wiedervereinigung war der Spreepark Berlins einziger Freizeitpark der aber gänzlich anders als die großen westdeutschen Parks gestaltet war. Wahrzeichen des Parks ist das große, weithin sichtbare Riesenrad mit 36 Gondeln und einer Höhe von 45 Metern. Erst 1989 wurde das Riesenrad umfassend restauriert. Nach der Wende übernahm die Spreepark Berlin GmbH den Betrieb und errichtete auch einige neue Fahrgeschäfte. Später wurde der Park umgestaltet und man übernahm auch Fahrgeschäfte eines pleite gegangenen Pariser Parks. Gestiegene Eintrittspreise, schlechte Parkmöglichkeiten und andere Umstände machten dem Park immer mehr zu schaffen und führten zu sinkenden Besucherzahlen. 2001 meldete die Spreepark GmbH dann Insolvenz an. In der Folge gab es noch einen regelrechten Krimi um den Betreiber Norbert Witte der sich samt einiger Fahrgeschäfte nach Lima absetzte. 2002 wurde der Park schließlich im Rahmen eines Insolvenzverfahrens abgewickelt. Seitdem verfiel das Gelände zusehends, auch wenn Norbert Wittes Tochter auf dem Gelände ein kleines Café betrieb und Führungen anbot.

Mit dem Kauf ist das Land Berlin nun nach 18 Jahren wieder Eigentümer des Parks. 2 Millionen Kaufpreis gehen an den Gläubiger Deutsche Bank, außerdem erhält Familie Witte 60.000 Euro wenn sie das Gelände vollständig bis zum 30. April 2014 räumt. Belastet durch Insolvenzverfahren und hohe Schulden begründet Finanzsenator Ulrich Nußbaum den Kauf damit, dass man dieses Spitzengrundstück an der Spree für die Berliner sichern müsse. Mit dem Verkauf endet auch der Erbpachtvertrag den die Betreiber 1996 für den Zeitraum bis 2061 erhalten hatten. Zu den Querelen war es in der Folge gekommen, da der Erbpachtvertrag keine Regelungen für die eventuelle Insolvenz des Betreibers beinhaltete. Die Berliner Verwaltung hat daraus gelernt und angekündigt keine solchen Verträge mehr einzugehen.

Auch für Sabrina Witte endet nun die Geschichte des Parks in dem sie quasi aufgewachsen ist. Bis zum 30. April muss sie das Gelände nun räumen. Bis dahin soll das Café Mythos noch geöffnet bleiben und weiter Führungen an Samstagen und Sonntagen angeboten werden. Auch wenn es möglicherweise auch nach der Übergabe Anfang Mai Gelegenheiten der Besichtigung geben wird – auf die berühmten Dinosaurier als Fotomotiv wird man verzichten müssen. Diese seien nicht im Verkauf inbegriffen und ihr weiteres Schicksal ist derweil ungewiss.

Was das Land Berlin nun mit dem Park anstellen wird ist vorerst ungewiss. Ein klassischer Freitzeitpark wird wohl nicht (wieder) entstehen. ZU beschränkt sind die Möglichkeiten in punkto Parkplätzen, zu teuer der komplette Neuaufbau. Der Spreepark wird uns also auch weiterhin noch eine ganze Weile beschäftigen.
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Allen die der Spreepark und seine Geschichte interessieren seien noch folgende zwei Artikel ans Herz gelegt:

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Vom Kulturpark Berlin zum Spreepark Plänterwald: Eine VergnügungskulTOUR durch den berühmten Berliner Freizeitpark

Seit dem 5. November 2001 liegt der Spreepark-Plänterwald im Dörnröschenschlaf. Die verwilderte Anlage mit den verrotteten Attraktionen bildet ein poetisches Bild des Verfalls. Und doch glaubt man bei der Betrachtung dieses Geländes all den Trubel von 40 Jahren Rummel noch zu hören. Christopher Flade und Sacha Szabo, zwei bekannte Freizeitparkexperten, machen sich zusammen mit dem Leser auf eine spannende Spurensuche. Dazu wurden 20 Zeitzeugen zu ihren Erlebnissen im Spreepark befragt. Herausgekommen ist kein konventioneller Parkführer, der diesem besonderen Ort auch gar nicht gerecht würde, herausgekommen ist eine liebevoll zusammengetragene literarisch-wissenschaftliche Parkführung, die Einblicke in 40 Jahre Parkgeschichte gibt. Und so gibt es nur noch eines zu wünschen: Viel Vergnügen!

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Achterbahn – deluxe Edition (DVD)

Norbert Witte will aus dem Spreepark in Berlin den größten Vergnügungspark Deutschlands machen. Aber dann treibt der Park in den Ruin und der Karussell-König setzt sich mit seiner Familie und einem Teil der Fahrgeschäfte nach Peru ab. Der ersehnte Durchbruch in Peru stellt sich jedoch nicht ein. Also lässt sich Witte mit der peruanischen Drogenmafia ein, doch der geplante Drogenschmuggel fliegt auf und sein Sohn Marcel wird in Peru verhaftet. Während Witte in Berlin seine milde Strafe im offenen Vollzug verbüßt, wird Marcel in Peru zu 20 Jahren Haft in einem der gefährlichsten und härtesten Gefängnisse der Welt verurteilt. Dort ist er bis heute. Achterbahn ist eine seltene Perle von Dokumentarfilm, weil er einen zu packen vermag, wie es sonst nur dem Spielfilm gelingt. Diese Doku hat alles: Spannung, Tragik, schillernde Figuren und eine Geschichte, wie aus einem Abenteuerroman.
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