Lost Place: Touren nach Pripyat / Tschernobyl sind wieder möglich

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Sicherlich haben viele von Euch den Artikel über den „Lost Place Tschernobyl“ im aktuellen Geocaching Magazin gelesen. Wie zu erwarten war gab es zu dem Artikel durchaus kontroverse Meinungen, aber es gab auch viele positive Stimmen und Nachfragen zu diesem Artikel.

Wer den Artikel gelesen hat, wird wissen, dass seit dem Sommer 2011 Touren in die Sperrzone nicht mehr möglich waren. Nach einigem Hin und Her zwischen Katastrophen- und Innenministerium und einigen Gerichtsverhandlungen sind Besuche in die „Zone“ nun wieder möglich. Gerade im Hinsicht auf den, durch die Europameisterschaft 2012, erwarteten Besucheransturm, war letztendlich allen Seiten an einer schnellen Einigung gelegen.

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Die neuen Regeln, die für die Besuche in die Zone erlassen wurden, wurden noch einmal verschärft. Konkret geht es um folgende Änderungen:

– die maximale Aufenthaltsdauer in der Sperrzone beträgt 5 Tage
– Besuche müssen nun 10 Tage vorher bei der Staatsagentur angemeldet werden
– Eventuelle Gesprächspartner in der Zone müssen vorher benannt werden.
– Geeignete Kleidung ist unbedingt erforderlich und wird kontrolliert.
– Eine Kontrolle auf Strahlung am Checkpoint Dityatki ist verpflichtend.

Im Großen und Ganzen halten sich die Verschärfungen in Grenzen. Das organisatorische übernimmt wie bisher der Veranstalter der Touren. Die erste Tour nach monatelangem Verbot hat am 25. Februar stattgefunden.

Der Ablauf einer typischen 1-Tages-Tour sieht wie folgt aus:

07.30 Uhr – Treffen in Kiew
10.30 Uhr – Eintreffen am Checkpoint zur Sperrzone
11.30 Uhr – Ankunft in Tschernobyl, Besuch der Aussichtsplattform
13.00 Uhr – knapp 4ständige Walking-Tour durch Pripyat mit Führer
17.30 Uhr – Abendessen in Tschernobyl
21.00 Uhr – Ankunft in Kiew

Andere Touren sind möglich, bedürfen aber der Abstimmung mit dem Veranstalter. Die Kosten für eine solche Tour liegen bei 120 US$.
Derzeit finden die Touren mehrmals im Monat statt. Die Frequenz der Touren hängt auch vom Interesse der Teilnehmer ab.

Nach dem die Besucherzahlen auf zuletzt 10.000 pro Jahr angestiegen waren, rechnet man für 2012 mit einer weiteren Steigerung.

Informationen findet Ihr auf der englisch/russisch-sprachigen Seite pripyat.com. Informationen zu weiteren Reisen in die Sperrzone gibt es im Forum. Das entsprechende Unterforum ist leider nur in russischer Sprache verfügbar. Die Übersetzungfunktion Eures Browsers liefert aber ganz brauchbare Telefonate. Die Mitarbeiter des Veranstalters antworten aber auch auf englischsprachige Mails.

Sicherlich kann man diese Art von Katastrophen-Tourismus für bedenklich und makaber halten. Aber trotzdem: Der Ort ist beeindruckend, beklemmend und mahnend zu gleich. Gesundheitsgefahren brauch man im Übrigen nicht fürchten. Die besuchten Orte wurden mehrfach dekontaminiert. Letztendlich liegt die Strahlenbelastung bei einem Tagesbesuch in der Sperrzone kaum über der, die bei einem 8stündigen Flug auftritt.

Letztendlich muss es jeder mit sich selbst ausmachen – ich hoffe aber ich konnte mit diesem Artikel einige der zahlreichen Fragen beantworten.

Bildquelle: Sergey Kamshylin / 123rf

Empfehlung

Von meinem eigenen Trip in die Ukraine und dem Besuch von Tschernobyl/Pripyat gibt es hier auf gocacher.de ein umfangreiches Bilder-Album!

6 Kommentare

  1. Ich hatte den Beitrag im GC Magazin bereits gelesen und war interessiert, aber unentschlossen. Eigentlich stehe ich nicht so auf Katastrophentourismus aber dieser Ort ist auch ein Mahnmal. Stand im Magazin nicht ein viel höherer Preis als 120 USD? Hab das Mag grade nicht zur Hand…

  2. Der Preis von 200 bis 400 US$ bezieht sich auf die umfangreicheren 2-Tages-Touren.

    Derzeit werden aber nur regelmäßige 1-Tages-Touren angeboten, diese liegen aktuell bei 120 US$.

    Ich plane derzeit für den Spätsommer einen Trip für eine kleine Gruppe. Vorteil wären geringere Kosten und eine deutsche Tourbegleitung. Näheres hoffentlich bald.

    • Diese Angst ist verständlich aber dennoch unbegründet.

      Zum Cachen fährt man eh nicht nach Pripyat oder Tschernobyl – es gibt dort nämlich keine (außer einem geocaching.su Virtual).

      Was die Strahlung betrifft: Diese liegt in Tschernobyl oder Dityatki bei ca. 10-20 μR/h – zum Vergleich: in Wien liegt Sie bei 10 μR/h.

      Erhöhte Strahlung gibt es eigentlich nur direkt in Pripyat und diese liegt bei ca. 70 μR/h. – dies gilt für gewisse Zeiten als unbedenklich. Verglichen mit einem 4h Aufenthalt in Pripyat erreichst Du bei einem 8h Flug in die USA eine ähnliche Strahlenbelastung.

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