Nach Mord an Ulf M. – Prozess wird neu aufgerollt

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Das, was am 9. Januar 2012 in der Nähe Dessaus geschah, hat viele von uns bewegt und betroffen gemacht.

Ulf, aktiver Geocacher und OSM´ler wurde am 9. Januar 2012 Opfer einer verachtenswerten Tat (gocacher berichtete). Erst Tage später wurde der Kleintransporter, mit dem Ulf unterwegs war, in einem Waldstück zwischen Dessau und Coswig gefunden. Die Täter, mehrere litauische Staatsbürger, hatten Ulf auf einem Parkplatz an der Autobahn 9 bei Köselitz überfallen und dann in der Folge und unter Gewaltanwendung die PIN-Nummern seiner Geldkarten erpresst. Mit diesen folgten dann mehrere Geldabhebungen an Automaten und Einkäufe in Geschäften. Ulf starb für eine Beute im Wert von 4.000 Euro.

Die Beschuldigten fünf Litauer ließen Ulf M. dann gefesselt und schwerst misshandelt zurück, worauf er an einer Lungenembolie verstarb. Erst Tage später wurde der Transporter mit der Leiche von Ulf entdeckt. Im März 2012 wurden dann die ersten Täter in Brandenburg gefasst, Ende Juni 2012 konnten dann drei weitere, mutmaßliche Täter in Brandenburg verhaftet werden.

Im Januar 2013 folgte dann schließlich der Prozessauftakt vor dem Landgericht Dessau. Den fünf Beschuldigten Litauern, alle zwischen 21 und 31 Jahre alt, wird dabei Mord aus Habgier, erpresserischer Menschenraubes und Raub mit Todesfolge vorgeworfen.

Update vom 14.01.2016

Eigentlich hatten wir gehofft, dieses Thema ist mit den Urteilen abgeschlossen ist. Leider ist dem nicht so. Wie das Bundesgerichtshof in Karlsruhe soeben bekanntgegeben hat, muss der Prozess neu aufgerollt werden. Der BGH musste entscheiden nachdem sowohl die Nebenkläger als auch die Angeklagten das Urteil angefochten haben. In einem neuen Prozess soll nun geklärt werden, ob die Angeklagten doch mit Tötungsabsicht handelten, als sie Ulf am 9.1.2012 überfielen. Auch eine Verurteilung wegen Mordes ist somit nicht mehr ausgeschlossen.

Update vom 27.05.2014

Im Prozess fällt womöglich am 3. Juni das Urteil. Verteidigung, Anklage und Nebenkläger haben ihre Plädoyers gesprochen. Die geforderten Strafen gehen weit auseinander. Nach über 70 Verhandlungstagen könnten nun also tatsächlich in der kommenden Woche die Urteile gesprochen werden.

Während die Verteidigung bestreitet, dass der Tod des Opfers billigend in Kauf genommen wurde und sieht maximal erpresserischer Raub als gegeben an. Für den Angeklagten Mindaugas L.fordert der Verteidiger sogar einen Freispruch, da er während der Tat zu betrunken gewesen sei. Über das Urteil mag niemand eine Einschätzung abgeben. Beobachter sind sich aber einig, dass ein Urteil wegen Mordes juristisch sehr heikel werden könnte und hier der Bundesgerichtshof eingeschaltet werden könnte.

Update vom 18.05.2014

Am vergangenen Freitag hat die Staatsanwaltschaft das Plädoyer gehalten. Damit deutet sich nach monatelangem Hin-und-Her und einem Prozess der von taktischen Zügen der Verteidigung geprägt war, endlich ein Ende an. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer zweimal lebenslang, zwei Haftstrafen von zwölfeinhalb und dreizehneinhalb Jahren und eine zehnjährige Jugendstrafe.

Wie von Prozessbeobachtern erwartet wurde, geht die Staatsanwaltschaft nicht von Mord aus, sondern sieht einen Raub mit Todesfolge als gegeben an. Der Mordvorwurf wurde erst durch das Gericht erhoben, die Staatsanwaltschaft bleib somit bei ihrem ursprünglichen Tatvorwurf. Weitere Tatvorwürfe sind erpresserischer Menschenraub, gefährliche Körperverletzung sowie gewerblicher Computerbetrug durch die missbräuchliche Nutzung der ec- und Kreditkarten des Opfers.

Für zwei der Angeklagten bedeutet die Abkehr vom Mordvorwurf aber dennoch vermutlich eine lebenslange Haftstrafe – denn diese kann auch bei Raub mit Todesfolge verhängt werden. Bei den weiteren Tätern werden geringere Strafen gefordert weil in einem Fall das Jugendstrafrecht Anwendung findet, sowie einer der Beteiligten frühzeitig gestanden hat. Ein weiterer Beschuldigter stand zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss und gilt somit als vermindert schuldfähig.

Am kommenden Montag werden die Plädoyers fortgesetzt.

Update vom 25.04.2014

Auch der gestrige Verhandlungstag war von verteidigungstaktischen Manövern geprägt. Weder wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen, noch kam es zur Verlesung der Plädoyers. Verteidiger Rühlmann hält auch ein Prozessende erst im Sommer oder Herbst für möglich. Inzwischen brachte das Gericht selbst den Vorwurf Mord aus Habgier ins Spiel, dieser wäre aber nicht von der Anklage abgedeckt. Beobachter sind sich unsicher und es ist völlig offen wie der Prozess weitergehen wird.

Update vom 23.04.2014
Vor mehr als 2 Monaten schrieben wir, dass sich das baldige Ende im Prozess andeutet. Doch neue Beweisanträge, ein neuerliches Geständnis eines der Beschuldigten und allerhand taktische Manöver der Verteidigung haben dafür gesorgt, dass sich das prognostizierte Ende weit nach hinten verschoben hat. Kurz vor Ostern war man optimistisch dass nun am gestrigen Dienstag endlich die Plädoyers gesprochen werden können. Doch das Plädoyer der Staatsanwaltschaft wurde erneut vertagt, da für den kommenden Donnerstag nun noch eine Zeugin geladen wurde. Daher kann auch erst frühstens dann über das Ende der Beweisaufnahme entschieden werden. Auch zu mehreren offenen Beweisanträgen muss sich das Gericht noch äußern.

Das Urteil welches ergehen wird ist indes noch völlig offen. Zu unterschiedlich können die Aussagen gedeutet werden. Eine Verurteilung wegen Mordes ist möglich, Beobachter rechnen aber eher mit Verurteilungen wegen erpresserischen Menschenraub oder Raub mit Todesfolge. Hier liegen die Mindeststrafen bei fünf beziehungsweise zehn Jahren.

2 Kommentare

  1. Da diese Story hier immer wieder geupdated (aufgewärmt) wird, muss ich mal was loswerden:
    die Tötung eines anderen Menschen ist immer ein verachtenswertes Verbrechen.

    Aber: der Geötete wurde nicht umgebracht weil er Geocacher war, sondern fiel einem Raubmord zum Opfer. Es tut nicht not, immer wieder darüber zu schreiben und dabei die Schlagzeile „Mord an Geocacher“ zu verwenden. Selbstverständlich will ich nichts bagatellisieren, doch die Effekthascherei, so kommt es mir vor, nervt.

    • Da hast Du sicher nicht ganz unrecht – doch die Intention ist eine andere. Der Fall hat mich persönlich damals bewegt und beschäftigt, da das Ganze quasi direkt der der Haustür geschah. Auch bei der Suche nach Ulf waren damals Geocacher aufgerufen zu helfen und so hat dieser Fall sehr viel Beachtung in der Community gefunden und zu großem Interesse geführt. Deshalb und aus persönlichem Interesse verfolge ich den Prozess und deshalb gibt es diesen Artikel der immer mal wieder über die neuen Entwicklungen informiert. Um Klickzahlen oder ähnliches geht es dabei nicht…denn hätte man für jedes Update auch einen neuen Artikel schreiben können.

      Aber hoffentlich kann dieses Thema mit den Urteilen dann auch abgeschlossen werden!

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