Preview: Medion GoPal S3867 – Das ALDI-GPS

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Während der Markt der herkömmlichen Straßennavis schrumpft, ist der Outdoor-Markt der Wachstumsmotor der Branche. Es war daher wenig verwunderlich, dass auch der Elektronik-Hersteller Medion in diesem Segment mitmischen wollte. Gut 18 Monate ist es her, als Medion mit dem GoPal S3857 die Platzhirsche Magellan und Garmin herausforderte.

Trotz vieler guter Ansätze und einem ausgesprochen niedrigem Preis gab es leider auch extrem deutliche negative Kritik. Bei amazon hagelte es negative Kritik und auch die Fachpresse konnte nur wenig positives über das Gerät schreiben. Vor allem die zahlreichen Softwarefehler verärgerten die Käufer. Vor allem ein Punkt machte das Gerät gerade für Geocacher nur extrem schwer benutzbar, denn offenbar erfolgte die Aktualisierung der eigenen Position in zu langen zeitlichen Intervallen, das führte dazu dass man ständig am Cache vorbeilief und so kam schnell Frust auf. Beim Wandern oder Radfahren machte sich dieses Manko nicht so extrem bemerkbar, die unzulängliche Software sorgte aber auch hier für Frust. Nach und nach wurden allerdings zahlreiche Fehler behoben und so war das GoPal S3857 wenigstens halbwegs nutzbar.

Ein Neuanfang?

Doch Medion, inzwischen ein Tochterunternehmen des chinesischen Unternehmens Lenovo, hat sich intensiv die negative Presse und Kritik zum GoPal S3857 angeschaut um den nachfolger deutlich zu verbessern. Das Ziel war es beim GoPal S3867 alle Kritikpunkte des Vorgängers auszumerzen. Ob das gelungen ist, haben wir uns bei diesem ersten Blick auf das Gerät näher angeschaut.

Die Rückseite des GoPal S3867
Die Rückseite des GoPal S3867

Die auffälligste Änderung betrifft die Bauweise. War der Vorgänger war noch ein besonders leichter und flacher Handschmeichler, so legt der Nachfolger bei Größe und Gewicht deutlich zu. Grund dafür ist der Wechsel von einem fest verbauten Akku auf zwei wechselbare AA-Akkus. Optisch nähert sich das Gerät damit den Mitbewerbern an. In Form und Größe liegt es beispielsweise auf dem Niveau der großen Magellan eXplorist-Geräte (510/610/710). Das ist übrigens wenig verwunderlich, denn offenbar werden die Medion-Geräte ebenso wie die Magellans beim taiwanesischen Konzern MiTac gefertigt. Und nicht nur hier bediente man sich „fremder Technik“ – auch bei der Wahl des Kartenmaterials griff man auf ein „Schwergewicht“ der Branche zurück. Das topografische Kartenmaterial im Maßstab 1:100.000 und auch die optionalen Karten im Maßstab 1:25.000, stammen von Kompass, einem Unternehmen welches zum Navispezialisten Falk gehört.

Bei der verwendeten Hardware bewegt man sich auf sehr hohem Niveau und übertrifft viele Mitbewerber sogar deutlich. Im inneren des Gerätes verrichtet nun ein 533 MHz Prozessor von Samsung seinen Dienst. Der Prozessor des Vorgängers war noch mit 433 MHz getaktet. Des weiteren ergänzen 128 MB RAM, 8 GB interner Speicher (mit microSD-Speicherkarten erweiterbar) und ein transreflektives 3 Zoll Display mit einer Auflösung von 240 x 400 Pixeln die Ausstattung. Die Bedienung erfolgt hauptsächlich über den TFT Touchscreen der auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar ist. Zusätzlich existieren zwei frei belegbare Hardwaretasten an der Geräteseite. Auch einen barometischen Höhenmesser und 3D-Kompass findet man in dieser Preisklasse eher selten.

Optisch macht es durch das teilweise verwendete Hartplastik vielleicht nicht ganz so viel her wie einige Mitbewerber, das Gehäuse erscheint aber robust und letztendlich erfüllt das GoPal S3867 auch die IPX7 Schutznorm.

Display

medion3240 x 400 Pixel Auflösung bei 3 Zoll Displaygröße ist ordentlich und tatsächlich wirkt die Displaydarstellung fein aufgelöst. Auch die Displayhelligkeit ist sehr gut. Die Ablesbarkeit im Freien ist sehr ordentlich, bei sehr starker Sonneneinstrahlung spiegelt das Display aber recht stark und die Ablesbarkeit leidet. Dennoch liegt das Medion-Gerät hier in etwa auf dem Niveau der Mitebwerber, nur die neuen Oregons von Garmin stechen hier mit einer extrem guten Ablesbarkeit bei Sonne deutlich hervor.

Kartenmaterial

Auch die Kartenausstattung ist wieder einmal sehr vorbildlich. Vorinstalliert ist topografisches Kartenmaterial aus dem Hause Kompass von Deutschland und Österreich im Maßstab 1:100.000. Das reicht für einen groben Überblick aus, Wege, kleine Straßen und ähnliches sind hier aber kaum vorhanden. Richtig gut gefallen haben uns hingegen die topografischen Kacheln im Maßstab von 1:25.000 welche ebenfalls von Kompass stammen. Diese enthalten sehr viele Details und sehen sehr gut aus. Dem Gerät liegt ein Gutschein für eine hochauflösende Kachel bei. Eine Kachel umfasst ein gebiet von 60 x 60 Kilometern. Weitere Kacheln kann man bei Medion für je 4,95 Euro herunterladen. Medion verspricht außerdem dass sich heruntergeladene 1:25.000 Kacheln kostenlos auf die demnächst erhältlichen 1:12.500 Kacheln upgraden lassen.

Zusätzlich ist das Medion-Gerät auch zu OSM-Karten kompatibel. Entsprechende Karten von Europa sind bereits vorinstalliert bzw. sind auf der beiliegenden DVD vorhanden. Hier gibt es naturgemäß keine Unterschiede da alle OSM-Karten auf dem gleichen Ausgangsmaterial basieren.

Beim Kartenmaterial ist das GoPal S3867 sehr ordentlich ausgestattet. Gerade bei den preiswerten Geräten einiger Mitbewerber ist das Verwenden von freien OSM-Karten oft gar nicht oder nur über Umwege möglich.

Akkulaufzeit

Der Aldi Nord-variante des GoPal S3867 liegen 4 Akkus und ein Steckerladegerät bei. Bei den Akkus handelt es sich um Ready-to-Use (LSD) Akkus mit einer angegebenen Kapazität von 2.000 mAh. In einem ersten kleinen Ausdauertest betrug die Laufzeit im Mischbetrieb (Display gelegentlich an, Trackaufzeichnung, Navigation) rund 6 Stunden. Das ist nicht überragend aber dank der einfach wechselbaren Akkus auch verschmerzbar. Mit Sanyo XX Akkus sollte hier aber noch eine deutliche Steigerung möglich sein. Genaueres wird unser Langzeittest ermitteln.

Software

Eine der größten Kritikpunkte des Vorgängers war die instabile und langsame Software. Mit der neuen Software 3.x, die es auch für das GoPal S3857 gibt, hat sich nun einiges gebessert. Das Gerät läuft schneller, stabiler und zahlreiche Fehler der vergangenen Version wurden behoben. Abstürze kommen jetzt deutlich seltener vor, auch wenn es bei einem ersten zweistündigen Test bei einer Fahrradtour zu einem Absturz des Gerätes kam. Insgesamt arbeitet das Gerät aber deutlich schneller und stabiler, das merkt man vor allem beim Scrollen auf der Karte oder in den Menüs.

Die Geocaching-Funktion benötigt aber weitere Verbesserungen. So ist es nach wie vor nicht möglich die Cachelisten nach bestimmten Typen oder Merkmalen zu filtern. Auch beim Laden von mehreren Pocket Queries mit mehr als 1.000 Caches gibt es Probleme. Auch das Anzeigen von Caches auf der Karte ist nach wie vor problematisch. Seit dem letzten, gerade erschienen, Update ist dies zwar möglich, es scheinen aber teilweise einige Caches zu fehlen. Auch hier muss Medion unbedingt noch einmal nachbessern.

Vorbildlich sind hingegen die gesamte Bedienerführung und Menügestaltung. Alle Menüs sind logisch aufgebaut und selbst Einsteiger finden sich relativ schnell zurecht. Zahlreiche Funktionen wie das Ermitteln einer Entfernung zwischen zwei Koordindaten, die Schnittpunktberechnung oder die Koordindatenprojektion erleichtern vor allem Geocachern den Alltag ungemein. Positiv sind auch die Geocaching Helfer in Form von Codetabellen für ROT 13, Braille, Flaggencode und weitere gern verwendete Verschlüsselungsmethoden.

Insgesamt gefällt uns die Software inzwischen sehr gut auch wenn sie längst nicht perfekt ist. Vor allem die Geocaching-Funktionalität sollte noch um Filteroptionen ergänzt werden und auch das Verarbeiten von Cachezahlen im Tausender-Bereich bedarf deutlicher Verbesserung.

Verfügbarkeit

aldi-nord-sued-logosDas GoPal S3867 ist seit Mittwoch, dem 29.05.2013 bei Aldi Nord erhältlich. Dort kostet es inklusive Fahrradhalter, Akkuladegerät und vier LSD-Akkus 159 Euro. Eine Woche später, ab dem 6. Juni ist das Gerät auch im Süden erhältlich. Dort wird es 149 Euro kosten, dafür befinden sich kein Ladegerät und keine Akkus im Lieferumfang.

Ab Anfang Juli wird das Gerät dann auch über andere Kanäle wie zum Beispiel dem Medion-Onlineshop erhältlich sein. Zusätzlich war der Vorgänger auch bei amazon und anderen Versandhändlern erhältlich, so dass auch damit wieder zu rechnen ist.

Erstes Fazit

Mit dem GoPal S3867 liefert Medion ein sehr ordentliches Gerät mit einem hervorragenden Lieferumfang und im Vergleich zum Vorgänger deutlichen Verbesserungen. Dennoch ist das Gerät noch nicht perfekt, gerade für Geocacher gibt es nach wie vor das ein oder andere kleine Ärgernis.

Aber Medion legt derzeit ein hohes Entwicklunstempo an den Tag und bereits nach dem Installieren des gerade erschienen kleinen Updates auf unserem Testgerät, gab es bereits wieder einige Verbesserungen. Es scheint also, dass man bei Medion aus den Fehlern beim Vorgänger gelernt hat und gewillt ist ein ordentliches Produkt abzuliefern. Betrachtet man das Paket aus sehr guter Hardware, den umfangreichen Kartenmöglichkeiten und der Software so liefert ein Medion ein rundes Paket zu einem sehr starken Preis ab.

In einigen Wochen werden wir dann auch unseren ausführlichen Langzeittest veröffentlichen.

LINK: Medion-Informationsseite zum GoPal S3867

7 Kommentare

  1. Toller Test.ich bin am Überlegen es mir zu kaufen. Habe zwar 400 Caches mit dem Handy gemacht aber für die LPs ist es mir zu schade.
    Ich finde nur keine Info dazu ob das neue GPOS auch freie OSM Karten welche frei im Netz downloadbar sind auf diesem GoPal laufen .
    Es wäre schön wenn ihr das testen könntet. Nicht das man jede karte bei Medion kaufen muss. Dann kauf ich lieber ein Dakota.
    Gruß Steven

  2. Hallo, bei Medion gibts genug freie OSM-Karten und auch die Kompasskarten für DE u. Österreich. Mit eingezeichneten Wander- u. Radwegen usw. Habe mir vor ein paar Tagen bei Aldi das S3867 gekauft, da ist alles drauf u. auch ganz gut.
    Was mich persönlich sehr verärgert, ist, dass ich die beigefügten gratis-Bonuskarten nicht im s3867 angezeigt kriege.Am PC und in diesem gopa lassistant sind sie als installiert gemeldet,aber ich sehe sie nicht am Gerät selber. Ich hätte mir sogar noch paar dazu gekauft, aber wenn das nicht klappt, was solls.
    Ich kann das Gerät ja noch zurückschaffen…
    Gruß Frieder

  3. Hi!
    An sich klingt das ja nicht schlecht. Hat’s bereits ein anderer getestet?
    Wie schaut’s mit der Eingabe (z.B. Koordinaten) aus? Ist das gut gelöst? Also einfach in der Bedienung?
    Ist auch Projektion etc. dabei?
    Alles ja Dinge, die ein Geocacher baucht.
    Liebe Grüße,
    Frank

    • Die Eingabe jeglicher Daten erfolgt mittels On-Screen-Tastatur, ist also durchaus praktikabel. Leider reagiert das ganze Display für meinen Geschmack etwas träge. Das ist aber vermutlich Gewöhnungssache. Eine Projektions- und Peilfunktion ist auch vorhanden, aber leider keine Visierung. Außerdem gibt es noch ein paar kleine Tools wie Mittelpunktberechnung. Der erste Eindruck ist nicht übel.

  4. Hall Rami, weiter kein Problem: du lädst dir die Caches als GPX-Dateien von der Groundspeak-Seite herunter, schließt das Gerät mit dem mitgelieferten Kabel als Massenspeichergerät an deinen PC an und kopierst die GPX-Dateien in den Geochaching-Ordner des Geräts. Beim Trennen der Kabelverbindung fordert dich das Gerät zum Import der Dateien auf. Mit „ja“ bestätigen und das war’s.

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