Schwerer Unfall beim Geocaching auf Magdeburger Lost Place

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Am Sonnabend kam es in Magdeburg zu einem schweren Unfall. Ein 24 Jahre alter Geocacher aus Bünde (Nordrhein-Westfalen) ist dabei aus ungefähr 20 Meter Höhe von einem Schornstein gestürzt.

Der Mann war zusammen mit einem befreundeten Pärchen auf dem Gelände des ehemaligen Magdeburger Reichsbahnausbesserungswerks unterwegs. Die Volksstimme berichtet, dass sich der Verunfallte Jonathan N. in den Schornstein abgeseilt hatte. Zum Unfall kam es, als er wieder hinausklettern wollte und dabei die oberste Stufe herausbrach.

Er stürzte dabei 20m tief auf ein Gebäudedach. Die herbeigerufene Feuerwehr musste den 24-jährigen mit Spezialausrüstung vom Gebäudedach retten. Anschließend wurde er in das Uniklinikum Magdeburg gebracht und dort notoperiert. Jonathan trug schwere Verletzungen, unter anderem einen Schädelbasisbruch, mehrere Beinbrüche und einen offenen Nasenbruch, davon.

Zum Zeitpunkt des Unfalls waren die Caches der bekannten RAW-Serie bereits nach einem anderen Vorfall deaktiviert. Am Sonntagabend entschlossen sich die Owner der Serie für die endgültige Archivierung. Der Unfall fand aber nicht an einer Station dieser Serie statt. Der Cache, bei dem sich eine Station auf dem Schornstein befand, war zum Zeitpunkt des Unfalls bereits seit einiger Zeit archiviert.

Beliebt bei Geocachern, Fotografen und Urbexern - das Magdeburger RAW-Gelände.
Beliebt bei Geocachern, Fotografen und Urbexern – das Gelände des ehemaligen Magdeburger Reichsbahnausbesserungswerks.

Wir wünschen auf jeden Fall gute Besserung und hoffen dass sich der Zustand schnell bessert. Dieser Vorfall zeigt aber wieder einmal wie wichtig es ist, dass man nicht allein auf Cachesuche geht und dass man gerade bei gefährlicheren Geländen immer auf eine gute Sicherung achtet. Dabei ist es letztendlich egal, ob es sich um einen Lost Place oder einen anspruchsvollen Cache im Gebirge oder anderswo handelt.

Update vom 19.02.:
Auch heute berichtet die Magdeburger Volksstimme wieder über den Vorfall, dieses mal auf der Titelseite. Es wird betont, dass der 24-jährige ein sehr erfahrener Cacher und Kletterer ist, der in der Volkshochschule seines Heimatorts sogar Geocaching-Kurse gab. Der Artikel beschreibt auch die Hintergründe unseres Hobbys und dass bspw. Caches in Naturschutzgebieten nicht erlaubt sind. Auch das nun alle Caches auf dem Gelände archiviert sind, wird erwähnt. In einem Kommentar auf Seite 5 befasst man sich ebenfalls mit dem Thema und es wird erwähnt wie betroffen die Community ist, und dass es Befürchtungen einer medialen Hetzkampagne gegen das Hobby gibt.

So traurig der Anlass ist, ein Lob an die Volksstimme, die die Hintergründe sehr gut recherchiert hat und sachlich wiedergibt ohne sich dabei auf Vorwürfe und Verurteilungen einzulassen.

Ergänzung: Nach aktuellen Informationen schwebt Jonathan zum Glück nicht mehr in akuter Lebensgefahr, sein Zustand sei aber weiterhin kritisch.

LINK: Bildergalerie RAW Magdeburg

Quellen: Volksstimme Magdeburg / Polizeibericht

23 Kommentare

  1. Ja der der fragliche Cache war schon am 13.02. ins Archiv gegangen, evtl. ne veraltete Querry schuld aber schlimmer die wohl nicht vorhanden bzw. unzureichende Sicherung beim klettern.
    Sicher klingt es unglaubwürdig wenn ich das schreibe da ich den Cache / die Stationen über Monate verteilt gemacht habe und dabei allein war aber zumindest mit redundanter Sicherung bin ich geklettert.
    Ach ja meinen Log muß ich noch schreiben aber da der Owner das Logbuch gesichert hat weiß er ja das ich drinn stehe ;-).
    Schade nur das dadurch evtl. auch die anderen Cache auf dem Areal höcst wahrscheinlich in ihrer Lebensdauer eingeschränkt sind.
    Dem verunglückten wünsche ich natürlich gute Besserung.
    Grüße von Arno Nym

  2. Was lernen wir aus diesem Vorfall?
    – Ziehe niemals allein los.
    – Sichere Dich redundant.

    Was lernt Gocacher aus diesem Artikel?
    „Die […] Feuerwehr musste den Mann mit Spezialausrüstung vom Dach bergen.“
    Obwohl der Kletterer nach dieser Formulierung eigentlich tot sein müßte (Tote werden geborgen, Lebende gerettet), wünsche ich dennoch gute Besserung.

  3. Hoffentlich wird es dem Verunfallten schnell besser gehen und er wird keine bleibenden Schäden haben… 20 Meter sind nicht wenig und glücklicherweise ist es nicht schlimmer ausgegangen.

    Außerdem bleibt zu hoffen, dass Geocaching in den Medien jetzt nicht noch mehr verrissen wird…

    • Ich fürchte, damit müssen wir jetzt schon fast rechnen. Und wenn es nicht die Medien tun, dann wird man sich besimmt in Kommunen, Landkreisen, Behörden usw. mehr oder andersartige Gedanken über uns machen. Wozu das letzten Endes führen wird, bleibt vorerst wohl Spekulation, doch die Optionen stimmen mich nicht gerade fröhlich.

  4. Zunächst mal hoffe ich, dass es dem Cacher-Kollegen schnell wieder besser geht und dass er keine bleibenden (körperlichen) Schäden davonträgt. Seelisch wird er mit Sicherheit sein Leben lang dran zu knabbern haben.
    Wir waren grad heute Vormittag auf dem Gelände und sogar im selben Gebäude (OHNE zu wissen was sich am Tag vorher ereignet hat). Der Zustand der Gebäude und der metallenen Installationen ist äußerst marode, von daher weiß jeder (Geocacher, LP-Fotografen, Neugierige etc.), dass es ein sehr großes Risiko birgt sich hier aufzuhalten, erst recht wenn man sich zum Abseilen irgendwo bzw. an irgendetwas sichern muss. Wenn man hart ist kann man natürlich sagen „selbst Schuld“, tragisch ist die ganze Sache natürlich trotzdem. Jeder Cacher sollte sich immer hinterfragen, ob er das letzte Risiko eingehen will um die Hand an eine blöde Dose oder einen Hinweis zu bekommen. Passieren wird sicherlich immer wieder was (wie auch Bergsteiger oder Tiefschnee-Skifahrer immer wieder verunglücken werden), nur es wird die Auflagen die Groundspeak solchen Caches ja schon teilweise auferlegt sicherlich nicht aufweichen.

  5. Es wird Zeit das dieser Schwanzvergleich der unausgebildeten Hilskletterer endlich aufhört. Geocaching hat nichts mit Dosen auf ollen Bäumen oder Stationen auf vergammelten Schornsteinen zu tun. Genauso wenig haben Powertrails etwas in Wäldern zu suchen.

    Dem Jungschen trotzden gute Besserung und hoffentlich bleiben keine Schäden zurück.

  6. Ersteinmal gute und schnelle Besserung an den Verunglückten.
    einerseit kann ich mich dem Vorschreiber anschließen. Andererseits suche ich auch immer mal wieder eine Herausforderung. Grundsätzlich kann ich nur betonen, dass solche Vorkommnisse definitiv dem Hobby den Gnadenschuß verpassen.
    Ich würde vorschlagen, dass man die noch vorhandenen LPC so ummodelliert, dass keine Stationen installiert werden, an denen geklettert werden muss. Auch wenn jetzt sicher einige kommen und sagen: sissi-cachen, das wollen wir nicht! Was wollt ihr dann? Überhaupt nicht mehr cachen? Diese Frage müsst ihr euch stellen. Ein LP wird doch nicht allein durch waghalsige Cachestationen schön! Da kann man doch viel mehr draus machen. Eine gut durchdachte Story – wenn man nicht versuchen will, die Geschichte aufzuarbeiten – wirkt sicher auch Wunder. Ein LP braucht keinen Cache. Ein Cache freut sich jedoch über einen LP! Und uns geocacher erfreut es, wenn wir das Spiel mit der Atmosphäre eines solchen Ortes verbinden können.
    Legt euch die Karten und entscheidet, ob es Sinn macht, so wie bisher weiter zu machen.

  7. Ich muss meinen Vorredner Jens doch wiedersprechen,
    Klettern ist eine Sichere Sache, wenn man gewissenhaft mit der Materie umgeht. Ich kenne viele Cacher die Industriekletterausrüstung benutzen und diese mit Respekt benutzen, wir tun dies ebenfalls!
    Es geht also nicht dabei um „waghalsige Cachestationen“, sondern um das Sichere und Gesicherte erreichen dieser T5 Stationen.

    Passieren kann immer überall was, wieviele Fussballspieler verletzen sich?…
    Aber nunja, Hauptsache ist dass Jonathan noch lebt, es hätte viel schlimmer ausgehen können!
    In diesem Sinne wünsche ich dir eine schnelle Genesung und hoffe, dass du dadurch keine bleibenden Schäden behalten wirst!

    BG Team.TAM

  8. Eine Industriekletterausrüstung ist kein Garant wenn die nötige Ausbildung fehlt. Da gehört ne Menge mehr dazu als diese sich zu kaufen. Diese ist was für Spezialisten und nicht für Cacher die mal fix ne Station machen wollen. Eine Tauchausrüstung macht einen auch nicht gleich zum Wracktaucher.

  9. Unglücke werden immer wieder passieren, sie sind tragisch aber selten und haben irgendwo ihre Ursachen. Analysieren wir diese, lernen wir daraus und können weiter diesem Hobby, welches übrigens alle Schichten, Altersgruppen, unabhängig von Religion, Geschlecht usw. erfasst hat, nachgehen! Gute Besserung dem Verunfallten. Mehr sollte man dazu nicht mehr sagen, finde ich!
    Happy Hunting

  10. heute widmet die Volkstimme eine ganze Seite dem Thema. So richtig Sensationsgeil geschrieben, „like BILDzeitung“
    Und solange sich cCacher finden die Öl ins Feuer giessen und schön plappern was es für krass gefährliche Caches gibt, gleich noch die Namen dazu liefern…. wird das auch nicht enden.
    Ein Gutes hat es, ich muss kaum noch Dosen warten…. :-/
    Dem Verunfallten geht es den umständen entsprechned gut, die Ärzte sind zufrieden mit dem Zustand. Alles weitere durch die Angehörigen oder nach derern freigabe….
    Gruß Uwe

    • Danke für Deinen Kommentar Uwe.

      Ich habe die Sonderseite heute auch schon gelesen – grundlegend ja gut recherchiert, aber dennoch viel zu sensationsgeil. Schön zu hören, dass es Jonathan wieder ein wenig besser geht.

  11. Doofe Situation, die Familie möchte nicht das Infos rausgegeben werden :-/ Würde die vielen vielen Nachfrager gern informieren aber auch den Wunsch der nächsten Angehörigen respektieren…..
    Auf jeden Fall ist er noch nicht wach und wird noch beatmet. OPs soweit gut verlaufen…..

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